Meine Zwillingsmädchen sind 2 1/2 Jahre alt, sitzen in ihren Hochstühlen nebeneinander und sollen essen. Vor Ihnen steht jeweils ein kleines Tellerchen mit Brothäppchen und Apfelspalten. Meine eine Tochter wackelt auf ihrem Stuhl umher, krakelt vor sich hin und hängt mit ihrem Oberkörper halb auf dem Teller ihrer Schwester. Diese akrobatischen Übungen dienen nicht etwa dazu, ihrer Schwester in unendlicher Liebe, um den Hals zu fallen, sondern das Essen auf den Tellern zu vergleichen. Hat meine Schwester anderes Essen bekommen? Hat sie etwa mehr bekommen?

Offensichtlich fürchten meine Kinder beim Verteilungskampf, um Nahrung zu kurz zu kommen. Darüber mag man Schmunzeln haben wir doch mehr als genug Essen vorrätig. Leider tobt bei uns zu Hause nicht nur ein Kampf um unser Essen, sondern auch um Liebe und Aufmerksamkeit.

Kommt dir das bekannt vor, sind deine Zwillinge genauso? Oder lebt Ihr in einer Großfamilie, in der jedes Kind entsprechend seinem Alter Aufmerksamkeit, Liebe und Zuwendung möchte? In dem folgenden Artikel erzähle dir, wie wir Neid und Eifersucht unter Zwillingen und Geschwistern erleben und damit umgehen.

Alle wollen Liebe

Da wäre zunächst der Wunsch nach Liebe und Aufmerksamkeit, der für Eltern wunderschön und gleichzeitig so anstrengend sein kann.

Meine Kinder sind gerade aus dem Kindergarten nach Hause gekommen. Ich setze mich auf das Sofa, mein Sohn springt auf meinen Schoß und schmiegt sich an mich. Sofort kommt mein anderer Sohn angelaufen und möchte auch auf meinem Schoß sitzen – allein. Sein Bruder soll ihm Platz machen. Er möchte Mama jetzt für sich allein haben. Ich schlage vor, dass jeder auf einem Knie sitzt und wir alle zusammen kuscheln. Nein!! Beide wollen in der Mitte auf meinem Schoß sitzen.

Meine Söhne fangen an sich gegenseitig weg zu schubsen. Erst weint der eine. Dann auch noch der andere. Und jetzt? Um ehrlich zu sein: Eine Patentlösung für diese Situation habe ich auch nicht. Ich bilde mir ein, dass geplante „Mamazeiten“ für jedes Kind helfen und „Kuschelneid“ minimieren. Ich weiß aber auch, wie schwierig es ist solche festen „Mamazeiten“ einzuhalten.

Gleiches gilt für Papa, der viel und lange arbeitet und dadurch meist nur morgens und abends spät verfügbar ist. Sobald er auftaucht, wollen alle ein Stück (Arm oder Schoß) von ihm abhaben oder Zeit mit ihm verbringen. Papa soll sich selbst Gebasteltes oder Gebautes anschauen, und zwar gleichzeitig bitte. Auch hier helfen Papazeiten, die bei einem Vollzeit berufstätigen Menschen fast noch schwerer einzurichten sind.

Alle wollen das, was der andere hat

Bei uns reichen Überraschungseier, um einen riesigen Streit mit Tränen auszulösen. Überraschungseier enthalten eine Überraschung, die in jedem Ei unterschiedlich ist. Meine eine Tochter fühlt sich immer im Nachteil gegenüber ihren Geschwistern, egal welches kleine Spielzeug sie in ihrem Überraschungsei hat. Gut gemeinte Geschenke von Freunden und Verwandten haben schon dazu geführt, dass unser gesamter Nachmittag im Eimer ist.

Wenn ich meinen Freundinnen mit Geschwisterkindern von diesen Vorfällen erzähle, sagen mir alle, dass ihre Geschwisterkinder auch ständig um Aufmerksamkeit buhlen. Das ist mit Sicherheit so. Doch lässt sich bei Geschwistern verschiedenen Alters leicht begründen, warum sie unterschiedlich behandelt werden: „Dein Bruder ist größer und geht gleich Fußball, da braucht er das größte Stück Fleisch.“ „Deine kleine Schwester sitzt jetzt auf meinem Schoß. Sie ist doch noch so klein. Du kommst doch schon bald in die Schule.“

Ob diese Begründungen für Kinder immer nachvollziehbar sind, bezweifle ich. Wenn ein (Vorschul-)kind kuscheln will, will es kuscheln, egal ob es bald in die Schule kommt oder nicht. Wenn es Eifersucht fühlt, fühlt es Eifersucht, egal, ob sein Geschwisterkind gleich einen wichtigen Termin hat oder nicht. Letztlich nimmt man mit solchen Begründungen die Gefühle seiner Kinder nicht ernst. Das hilft im Augenblick und beruhigt das Gewissen. Den eigentlichen Grund für die Eifersucht oder den Neid beseitigt es nicht.

Wahrscheinlich lassen sie den Neid auf die Geschwister teilweise sogar noch größer werden. Sie beruhigen das Gewissen der Eltern. Das älteste Kind ist eben älter und kann mehr das jüngere weniger. So einfach können es sich Eltern von Zwillingen nicht machen. Sie müssen von Anfang an Farbe bekennen, warum ist die Schwester auf dem Schoß? Warum bekommt er oder sie noch einen Apfel und ich nicht. In vielen Situationen hilft nur Ehrlichkeit und Gerechtigkeit. Wir haben eine Türöffner- Liste, eine Wickelliste und wir vereinbaren Zeitfenster, wie lange jemand mit einem Spielzeug spielen darf.

Warum kann mein Zwilling das schon und ich noch nicht?

Neid entsteht bei uns nicht nur, wenn es darum geht, Ressourcen zu verteilen, sondern auch wenn es um Fähigkeiten, d.h. das Können oder Nichtkönnen bestimmter Sachen geht. Warum kann meine Schwester schon laufen? Warum kann mein Bruder schon mit der Schere schneiden? Was soll man als Eltern auf solche Fragen antworten?

Die Wahrheit ist: Jeder kann irgendetwas besonders gut. Meine großen Mädchen lernen das gerade und fangen an, sich selbst und ihre Fähigkeiten besser einzuschätzen. Meine Jungs sind noch nicht so weit. Da hilft nur eine einfache Antwort: Bestimmte Sachen sind ebenso wie sie sind. Manche Menschen laufen eher als andere. Manche können besser zeichnen. Manche klettern schneller als andere und manche laufen schneller. Jeder Mensch ist einzigartig, das macht ihn einzigartig, liebenswert und zu dem, wer er ist.

Selbstkritisch muss ich anmerken, dass wir hier nicht die allerbesten Vorbilder sind. Wir vergleichen selbst sehr viel. Meine Vermutung ist, dass Eltern von Geschwistern weniger vergleichen als Eltern von Zwillingen, weil die Kinder mit ein paar Jahren Abstand geboren wurden. Die Erinnerung an das, was der Erstgeborene konnte, schwindet. Vergleiche sind schwerer möglich und drängen sich nicht ständig auf.

Viele Eltern haben für das zweite Kind weniger Zeit und Aufmerksamkeit als für das erste Kind. Mein Gefühl ist, dass Eltern von Geschwisterkindern es als natürlich hinnehmen, dass das zweite Kind gefühlt weniger weit entwickelt ist als das erste. Die Eltern werden entspannter. Für die unterschiedliche Entwicklung gibt es aus Sicht der Eltern und des Umfelds eine logische Erklärung. Der oder die Erstgeborene war eben zuerst da und wurde als Einzelkind mit viel Aufmerksamkeit großgezogen. Bei dem zweiten Kind fehlen die Kapazitäten jeden Entwicklungsschritt genau zu verfolgen.

Bei Zwillingen gibt es diese Erklärung nicht. Im Gegenteil, das Umfeld erwartet, dass Zwillinge gleich sind. Sie waren zur selben Zeit im Mutterbauch, haben durch die Nabelschnur dieselben Nährstoffe zu sich genommen und dieselben Stimmen gehört. Das muss Menschen doch gleich oder zumindest sehr ähnlich werden lassen.

Sind Zwillinge gleich?

Vor der Geburt meiner Mädchen war genau das meine Erwartungshaltung. Meine beiden Kinder würden sich doch schon sehr ähneln, auch wenn es zweieiige Zwillinge sind. Nach der Geburt stellte sich schnell heraus, dass ich zwei sehr unterschiedliche Wesen geboren habe. Die eine schläft und isst sehr gut, dafür wird sie wahrscheinlich keine Supersportlerin. Mama ist schließlich auch keine. Die andere ein Hungerhaken, der noch heute über schlechte Träume klagt, gerne liest und sehr sportlich ist. Ganz wie der Papa, der früher Ausdauersport betrieben hat.

Wie unterschiedlich die beiden sind, zeigte sich bei der ersten U-Untersuchung im Krankenhaus. Meine mit motorischen Fähigkeiten gesegnete Tochter veranlasste die noch sehr junge und rhetorisch unerfahrene Kinderärztin, zu wahren Freudenschreien. Meine andere Tochter, deren motorischen Fähigkeiten weniger stark ausgeprägt sind und die bei der Untersuchung noch unter einer Gelbsucht litt, rief eher ein Stirnrunzeln hervor.

Ich habe auf die unterschiedliche Reaktion der Kinderärztin ebenfalls reagiert. Ich war sauer auf die Kinderärztin und irgendwie auch sauer auf meine Tochter, die keine Begeisterungsstürme bei der Kinderärztin hervorgerufen hatte. Habe ich in diesem Moment schon, den Grundstein für das leistungs- und wettbewerbsorientierte Verhalten meiner Töchter gelegt?

Solche Situationen kommen immer wieder vor. Eine meine Töchter überraschte mich mit ihren Fähigkeiten oder ihrem Verhalten, die andere konnte oder machte dies genau nicht. Dies kann daran liegen, dass sie es noch nicht kann oder dass sie es nicht machen will. Nur so ist sie anders als ihr Zwilling. Zwillinge können sich oft nur durch ihre (betonten) Unterschiede voneinander abgrenzen und Individualität herstellen. Jeglicher Druck ist hier kontraproduktiv.

Ich musste erst lernen, dass ständiges Vergleichen der Eltern nicht dazu führen darf, dass Positives und Individualität gar nicht mehr wahrgenommen werden. Bei einem Einzelkind begrüßen Eltern jeden Entwicklungsschritt jede Begabung. Jedem Charakterzug wohnt etwas Positives inne. Bei Zwillingen geht die „Zweite“ oft unter oder ihr Können wird als „na endlich klappt das auch“ wahrgenommen.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Auf der anderen bringt Konkurrenzdenken der Kinder Vorteile mit sich. Meine Kinder lernen voneinander. Die Zwillinge untereinander und die Kleinen von den Großen. Kann der oder die andere etwas, möchten die Geschwister es auch lernen. Vielleicht nicht sofort aber früher oder später schon.

Meine Kleinen haben viel früher als die Großen auf Stühlen mit am Tisch gesessen und schnell unser „normales“ Essen probiert. Babyfood war deutlich schneller als bei den Großen passé.

Die Kleinen probieren auf dem Spielplatz die Spielgeräte der Großen aus. Mir stockt manchmal der Atem, was sie sich alles trauen. Dafür sind sie motorisch weit und geübt. Konkurrenz belebt das Geschäft.

Das Umfeld vergleicht auch

Nicht nur Zwillinge vergleichen sich untereinander auch das Umfeld vergleicht ständig den einen mit dem anderen. Ein Phänomen, das ich bei Müttern von Erstgeborenen besonders stark wahrnehme. befeuert wird dies durch entsprechende Literatur, die einem monatsweise nahelegt, was das eigene Kind zu diesem Zeitpunkt können sollte oder welchen Entwicklungsschub es gerade durchmacht.

Schnell fällt auf, „oh, der eine Zwilling kann ja schon und der andere oh, der kann ja noch gar nicht…“ Ich glaube das dieses ständige Bewerten der Umwelt und die Reaktion der Eltern auf dieses Bewerten (Ist das wirklich noch normal, dass sie nicht…) ungewollt den Vergleichskampf der Zwillinge untereinander befeuert.

Konkurrieren Jungen anders als Mädchen?

Konkurrieren Jungen anders als Mädchen? Bei uns ist das so. Woran liegt das? Ist das alles genetisch bedingt? Wir konnten den Jungen als doppelt Zweitgeborene nicht die gleiche Aufmerksamkeit schenken wie den Mädchen. Auch in unserem Umfeld, wurde die Geburt von zwei Mal Zwillingen zwar mit einer Mischung aus Entsetzen und Respekt begrüßt. Die Jungen befanden sich zu keinem Zeitpunkt so im Zentrum der Aufmerksamkeit wie die Mädchen.

Dies entspannt uns und automatisch die Kinder. Wenn Mama sich keine Sorgen macht, weil der eine Zwilling schon laufen kann und der andere noch nicht, überträgt sich diese Sorge auch nicht auf die Kinder. Leistungsdenken „Ich muss das auch können, Mama macht sich Sorgen“ und damit auch Konkurrenzdenken „Mein Geschwisterkind ist besser als ich“ entstehen seltener.

Entspannte Eltern haben entspannte Kinder

Das dürfte die größte Erkenntnis aus zwei Mal Zwillingen sein. Entspannte Eltern haben entspannte Kinder. Kuschelbedürftige Kinder (auch vier auf einmal), die einen mit ihrer Liebe fast erdrücken, Streithähne und Meckerzicken erträgt man als Eltern leichter, wenn man entspannt ist. Gelegentliches Ein- und Ausatmen, Auszeiten für gestresste Eltern können helfen. Spielplatzgespräche mit anderen Eltern führe ich möglichst über Themen, in denen es nicht darum geht, was mein Kind gerade kann. Das fällt mir selbst schwer, weil ich manchmal einfach stolz bin auf meine Kinder oder mir Sorgen mache, dass sie etwas nicht können. Damit wären wir beim Thema Selbstfürsorge. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema…

Fasching steht vor der Tür. Zeit sich darüber Gedanken zu machen, wie Ihr als Familie dieses Jahr die fünfte Jahreszeit feiern wollt. Viele Familien werden wegen Corona weder auf eine große Faschingsparty noch gehen noch viele Freunde nach Hause einladen. Trotzdem kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Hier kommen Ideen für einen bunten Faschingsnachmittag für die ganze Familie, der Leib und Seele glücklich macht.

Faschingsparties sollen bunt und fröhlich sein. Ein Motto braucht man dazu eigentlich gar nicht. Ich habe festgestellt, dass meine Kinder gerne Mottos umsetzen oder sie gerade ein bestimmtes „Fieber“ gepackt hat. Die folgenden Ideen habe ich so aufgebaut, dass Ihr einen bunten Nachmittag für Eure Liebsten zaubern könnt.

Die Vorschläge sind so aufgebaut, dass Ihr viel Freiraum habt. Entweder Ihr feiert einfach eine bunte Sause oder überlebt Euch ein Motto. Ich habe das Motto „Meer“ in meine Vorschläge eingebaut. Im Meer leben Meerjungfrauen und Piraten, Quallen und Seeungeheuer. Auch Prinzessinnen mit einem Schloss am Meer und Kapitäne fühlen sich auf dieser Party zu Hause. Clowns, Löwen und Tiger sind kommen überall klar und werden hier die eine oder andere Anregung finden.

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Kennt Ihr den? „Piep, piep, piep – wir haben uns alle lieb – Guten Appetit – Frau Schmied“. Den letzten Teil haben meine Kinder frei ergänzt, um diesen überaus anspruchsvollen Tischspruch noch ein bisschen anspruchsvoller zu machen.

Auf den folgenden Seiten möchte ich über Sinn und Unsinn von Tischsprüchen philosophieren. Kein wichtiges Thema? Ich finde schon. Tischsprüche sagen und hören Kinder jeden Tag. Als Familie oder im Kindergarten beeinflussen wir das Weltbild und Verhalten unserer Kinder, indem wir ihnen bestimmte Werte und Verhaltensweisen vorleben. Das fängt im Kleinen mit Tischsprüchen an. Tischsprüche können sexistisch sein oder Unruhe an den Tisch bringen, bevor das Essen überhaut angefangen hat.

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Ich liebe meine Kinder bedingungslos und doch behandle ich jedes von ihnen unterschiedlich. Dabei bin ich nicht immer gerecht. Das denke ich über mich selbst und das sagen mir meine Kinder von Zeit zu Zeit. Warum schaffe ich es nicht, alle gleich zu behandeln? Das und meine Maßnahmen für ein gerechtes zu Hause lest Ihr in dem folgenden Blogbeitrag.

Ich bin nicht immer gerecht, weil ich ein Mensch bin und kein Mensch ist perfekt. Damit könnte ich es auf sich beruhen lassen. Aber ich möchte mehr, ich möchte gerne zu allen meinen Kindern gerecht sein. Ich möchte sie alle gleich behandeln. Doch genau das ist unendlich schwierig. Schließlich sind meine Kinder unterschiedlich. Sie sind Individuen. Jedes von ihnen ist anders.

Viele verstehen Gerechtigkeit als ein Verhalten, das jedem gleichermaßen sein Recht gewährt. Ginge es nur darum, meinen Kindern die gleichen Rechte zu gewähren, würden wir die Kinder gerecht erziehen. Sie bekommen das gleiche Essen, jeweils ein Zwillingspaar hat einen Vorrat an Kleidung. Sie gehen in denselben Kindergarten. Dank Corona sind sie im Kindergarten in demselben Bereich und haben dieselben Erzieherinnen. Ganz schön gerecht, oder?

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Hallo Ihr Lieben,

schon vor ein paar Tagen habe ich mit den Planungen für den ersten Kindergeburtstag angefangen.

Meine Jungs haben im März Geburtstag und werden vier Jahre alt. Zeit vergangene Kindergeburtstage Revue passieren zu lassen und Gelungenes beizubehalten.

Ich will, dass meine Kinder am Ende ihres Ehrentages glücklich sind und unser zu Hause noch intakt und bewohnbar ist. Angesichts einer Horde bewegungsfreudiger Jungs kein leichtes Unterfangen. Auch Mädchen verfügen in geballter Anzahl über Zerstörungspotential. Grund genug sich über Ablauf und Ort (zu Hause oder nicht?) Gedanken zu machen.

Zu Hause feiern oder eine Location buchen?

Lange Jahre war ich dagegen, eine Location für einen Kindergeburtstag zu buchen- jedenfalls bei kleinen Kindern. Die ersten Kindergeburtstage setzen Maßstäbe. Wer aufwendig beginnt, wird seinem Kind schwer vermitteln können, dass die Kindergeburtstage von Jahr zu Jahr bescheidener und nicht aufwendiger werden. Sprich, was soll nach einem spannenden Tag auf dem Erlebnisbauernhof mit Ponyreiten und Gokart fahren noch kommen? Will ich jedes Jahr das Highlight aus dem Vorjahr toppen?

Außerdem gestaltet sich gerade bei kleinen Kindern die Auswahl der Location schwierig. Das Gelände muss übersichtlich und mit Zäunen, Gattern oder Mauern abgegrenzt sein. Bietet der Veranstaltungsort zu viele Angebote, die für kleine Kinder ungeeignet sind, macht sich schnell Frustration breit.

Nicht zuletzt spielen die Finanzen eine entscheidende Rolle. Eine extern gebuchte Feier kostet oft viel mehr als ein Geburtstag zu Hause und muss nicht schöner sein. Meine Töchter haben im letzten Jahr eine Prinzessinnen Kostümparty bei uns zu Hause gefeiert. Das Ganze war ein voller Erfolg und kostengünstig obendrein. Wie ich das gemacht habe? Lest selbst meine Tagesplanung für einen schönen Mädchengeburtstag im Vorschulalter:

Mein Motto: Kleiner Aufwand – große Wirkung

Gerade bei Kindergeburtstagen versuche ich mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel zu erreichen. Das fängt mit der Einladungskarte an und hört bei den Gastgeschenken (nicht) auf.

Die Einladungskarte

Die Einladungskarten bastele ich mit meinen Kindern selbst. Am einfachsten ist es, sich aus dem Internet eine kostenlose Malvorlage mehrfach auszudrucken und auszumalen. Auf die Rückseite kommt der Einladungstext. Auch sonst lässt sich jedes Motto mithilfe von Tonpapier und bunten Aufklebern in schöne Einladungskarten umsetzen. Vorlagen findet Ihr reichlich im Worldwide Web.

Die Geburtstagstorte

Die Geburtstagstorte backen die Kinder und ich mit promovierter Hilfe von Dr. Oetker (unbezahlte Werbung) selbst. Damit für jeden Geschmack etwas dabei ist, backe ich zwei Kuchen. Beliebt sind Schokolade und ein heller Teig als Alternative.

Mit den Backmischungen gelingen meine Kuchen immer und schmecken obendrein. Backen nach Rezept ist mir einen Tag vor dem großen Ereignis einfach zu riskant. Der einfache Kuchen aus der Packung wird durch die richtige Deko zu einem echten Highlight. Zuckerguss oder Fondant sorgen für einen königlichen Untergrund in weiß oder rosa. Perlen und ein Hauch von Glitzer in Silber vollenden das majestätische Meisterwerk.

 

Die Deko

Wie verwandelt sich unser familientauglicher Wohnsitz innerhalb kürzester Zeit in eine Partylocation, die zweier Prinzessinnen würdig ist? Die Einfachste aber teure und ökologisch bedenkliche Variante ist, ein fertiges Partyset zu kaufen. Erhältlich sind Sets mit Tellern, Tassen, Luftballons und Einladungskarten in einem einheitlichen Look aus Pappe und Papier. Geboten wird nahezu jedes Motto von Prinzessin zu Pirat oder Bauernhof. Sieht man sich die Sets an, stellt man fest, dass das Preis-Leistungsverhältnis oft schlecht ist. Außerdem produziert man haufenweise Papiermüll.

Ich habe eine umweltfreundlichere Alternative mit einem besseren Preis-Leistungsverhältnis gefunden. Unsere Tischdecke besteht aus Geschenkpapier, mit dem ich den Tisch umwickle. Ich überlege eine wieder verwendbare Wachstuchtischdecke in rosa zu kaufen, die noch einige Prinzessinnengeburtstage überlebt. Teller und Tassen rekrutiere ich aus unserem eigenen Bestand: Weißes Geschirr  auf rosa Tischdecke akzeptieren meine beiden Prinzessinnen. Als Besteck dienen unsere Kuchengabeln. Verzichtet man auf rosa Luftballons, die eine preiswerte und effektive Deko bieten, bleibt selbstgebastelte Deko aus Tonpapier.

Girlanden lassen sich dem Alter der Gäste entsprechend aus diversen Materialien herstellen:

  • Pfeifenputzer;
  • Wolle, die zu Quasten gebunden wird;
  • Muffinförmchen aus Papier;
  • Tonpapierschleifen.

Wer nähen kann, ist klar im Vorteil und kann Stoffreste in jeglicher Form verarbeiten.

Beklebte Gläser aus Glas oder bemalte Brotpapiertüten zieren den Eingangsbereich und bieten das Entree zu dem Geburtstagspalast.

Das Partyprogramm

Gerade bei Geburtstagen zu Hause kann es schwierig sein, die kleinen Gäste drei Stunden zu bespaßen. Schnell ist der Kuchen gegessen und alle Spiele sind gespielt. Bei mir hat folgendes Programm acht Prinzessinnen von 15 Uhr bis 18:30 Uhr beschäftigt:

15:00 Uhr bis 15:15 Uhr: Begrüßung

Da wir eine Kostümparty gefeiert haben, sind alle Partygäste bereits verkleidet erschienen. Wir haben im Hochsommer gefeiert und alle Besucherinnen gebeten, Badeanzüge und Handtücher mitzubringen. Zur Begrüßung hat jeder Gast eine Papierkrone bekommen. Nachhaltiger aber auch teurer wäre ein Haarreif gewesen. Das Gastgeschenk nimmt auch dem schüchternsten Partygast die Angst und das erste Mitgebsel ist in den Tagesablauf eingebunden.

15:15 Uhr bis 15:30 Uhr: Kuchenessen

Das Kuchenessen dauert nach meiner Erfahrung maximal eine halbe Stunde, weshalb ich 15 Minuten eingeplant hatte. Ich habe immer kleine Hummeln zu Gast, die nach spätestens 20 Minuten wieder aufspringen. Selbst intensives Kerzenauspusten kann die Verweildauer am Tisch nur minimal verlängern.

15:30 Uhr bis 15:45 Uhr: Flaschendrehen

Ein weiterer einfach zu realisierender Programmpunkt ist das Flaschendrehen. Du benötigst nur:

  • eine leere 1 l Glasflasche (Plastikflaschen sind zu leicht und drehen sich nicht gut);
  • die Geschenke und
  • alle Kinder, die sich in einem Kreis auf dem Boden zusammensetzen.

Jeder Gast hält sein Geschenk. Das Geburtstagskind darf als erstes die Flasche drehen und öffnet das Geschenk des Kindes zuerst, auf das die Flasche nach dem Anhalten zeigt. Danach dreht dieses Kind die Flasche und das Geburtstagskind öffnet das Geschenk des nächsten durch die Flasche ausgesuchten Gastes.

15:45 Uhr bis 16 Uhr: Bastelaktion als Vorbereitung der Schnitzeljagd

Bei Mädchen sehr beliebt und zeitaufwendig sind Bastelaktionen. Ich baue bei Schnitzeljagden mindestens eine Bastelaktion in die Schnitzeljagd ein. Hier war es eine Stofftasche, die die Kinder bemalt und dann auf die Schnitzeljagd mitgenommen haben, um die Trophäen zu sammeln. Die Kinder haben auf dem Boden gebastelt, weil unser Esstisch noch belegt war. Als Bastelunterlage kann eine Wachstuchtischdecke dienen.

16.00 Uhr bis 16.45 Uhr: Schnitzeljagd

Die Schnitzeljagd ist der kritische Punkt des Kindergeburtstags. Von ihrer Länge hängt es ab, wie lange Du die Kinder (kontrolliert) beschäftigen kannst. Meine Erfahrung sagt, je länger desto besser. Das ist leichter gesagt als getan. Kinder sind schlau und schnell. Jedes Mal denke ich, dass die Schnitzeljagd zu lang dauern wird und dann war sie doch zu kurz oder gerade richtig.

16.45 Uhr bis 18 Uhr: Schwimmen, Kinderdisco oder freies Spiel

Sommergeburtstage bieten den Vorteil, dass die Kinder draußen spielen können. Ideal ist natürlich ein Swimmingpool aber jede andere Form von Wasserspielen ist immer sehr willkommen.

Als Geheimwaffe hat sich außerdem eine Kinderdisco erwiesen – allwettertauglich und sehr beliebt. Man nehme Kinderlieder und eine Discokugel, schalte das Licht aus und die Mucke an. Schon sind die lieben Kleinen beschäftigt.

Nicht zuletzt verfügen Kinder über die wunderbare Eigenschaft, in nahezu jeder Situation miteinander zu spielen. Falls sich Grüppchen bilden, lege ich Malsachen bereit. Die Kinder, die sich keiner bestimmten Gruppe anschließen wollen oder eine Auszeit brauchen, können dann malen. Die anderen vergnügen sich im Kinderzimmer.

18:00 Uhr bis 18.30 Uhr Abendessen

Als Abendessen bieten sich Nudeln mit Tomatensauce an. Ich bevorzuge vegetarische Gerichte, weil sie am besten mit den unterschiedlichen Essgewohnheiten kompatibel sind. Ich stelle Nudeln und Tomatensauce immer getrennt auf den Tisch, falls ein Kind keine Tomatensauce mag. Als Alternative zu der Tomatensauce kannst Du auch Pesto oder Sahneauce anbieten.

18:30: Abschied und Gastgeschenke

Um 18:30 Uhr wird des Zeit Abschied zu nehmen, den wir mit Geschenken versüßen. Da wir nur kleine Geschenke überreichen, spreche ich lieber von „Mitgebseln“. Mitgebsel sind ein heikles Thema, sie sollen

  • nicht billig aussehen und
  • zum Motto passen.
  • gesund sein;
  • keinen Zucker enthalten und
  • nicht aus Plastik sein.

Kurzum gewünscht ist die eierlegende Wollmilchsau unter den Gastgeschenken. Ich versuche mit einem Kompromiss allen Anliegen gerecht zu werden. Ich bemühe mich möglichst viele Mitgebsel in den Spielablauf einzubauen, das allein wertet die Geschenke in den Augen der Kinder auf. Plastik versuche ich zu vermeiden. Süßigkeiten gebe ich mit, aber in Maßen. Die Tüten bastele ich nach Möglichkeit selbst aus Geschenkpapier. Hier bieten sich zum Beispiel die „Reste“ der Tischdecke an.

So… UND DANN SIND ALLE ZUR TÜR HERAUS UND DIE EIGENEN KINDER MÜDE UND GLÜCKLICH

Wie laufen die Kindergeburtstage bei Euch ab? Wie feiert Ihr? Zu Hause oder bucht Ihr einen Veranstaltungsort?